©KJUI 2016 - Die Dame und Hexe Ragnell - Collage, Bunt- und Bleistift auf Papier und Transparent (27,5 x 30) cm

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Podcast "Hexen WWWalburga"

Audio kompakt


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Mein letzter Podcast handelte von Drachen – und kaum begann ich die Recherche zu den Hexen, fand ich diese Geschichte:

Am 28. November, morgens um sechs Uhr, da haben sie ihn zum letzten Mal gesehen. Den Drachen. Feurig war er, flammend. An dem Haus von .. (der).. Tochter trieb er sich rum. .. Das sagten sie auch unter Eid, die Nachbarn .. am 2. Dezember 1617 .. Die Bernauer wussten es längst. Seit 30 Jahren soll Orthie, wie .. (sie) .. genannt wurde, die Stadt bei Berlin mit ihren schwarzen Künsten in Atem gehalten haben. So wie es schon ihre Mutter und Großmutter getan hatten. Hexenpack. .. Aber die .. hat nichts daraus gelernt! Einen Drachen fütterte sie. ..

War man im 18. Jahrhundert in "abergläubische Praktiken und pflanzenheilkundliches Detailwissen involviert", reichte dies schon aus, als Hexe in die engere Wahl zu gelangen.

Damit also ist alles rechtens, wie es damals eben so ging. Da braucht man nicht mehr darüber reden, oder gar eine Gedenkminute abhalten. Eine Minute ist lang, wussten Sie das?

Also in der Grundschule, da hatte ich einen Mathelehrer; irgendwas Mystisches war an dem auch dran. Der Statur entsprechend gehörte er zu diesem kleinen Volk. Naja. Er jedenfalls forderte uns einst auf, nachdem er seine Stoppuhr zückte, von jetzt an, dann aufzustehen, wenn wir meinten, eine Minute sei um. Nach und nach stellten wir Schüler uns auf, jeder eben dann, als er dachte: Ja, jetzt! Aber jetzt wirklich. Aber, aber jetzt ganz sicher. Ist die nicht schon vorbei? Jetzt ist die Minute aber bestimmt um! - Ich stand weit zu früh auf. Eine Minute ist lang. Eine Gedenkminute verlangt einem schon einiges ab. Die Hexenverfolger damals brauchten jedenfalls lediglich die Symptomliste des Hexenhammers von 1487 und beflissene Bürger. Malefikanten, diese Schlecht-Tuer, die fanden sich immer.

Und heute?
Wir Menschen sind noch lange nicht reif für die Drachenperle - dabei war das Paradies direkt vor unserer Nase. Noch beherrschen einige die Kunst des Kräutermischens, der Imkerei und der Sprache der Seele von Mensch und Tier.

Der Deal war und ist die reale Lebenszeit und selbst ein Methusalem hatte nur diesen einen, seinen Wimpernschlag Zeit, nach der Perle zu streben.

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Wimpernschlag – Walburga – Walpurgis
Walburga – Wunibald – Wilibald

Walburga gilt als weiblicher Vorname und bedeutet "die durch ihr walten Schützende". Sie, um die es hier geht, war die Schwester der Brüder Wuni- und Wilibald. Nach dem Tode ihres Bruders Wunibald wurde sie vom Bruder Wilibald als Äbtissin in das zuvor von Wunibald gegründete Kloster in Heidenheim in Franken beauftragt. Das wurde nun unter ihrer Fittiche zum Doppelkloster und zu den Wundern, die sie schon vollbracht hatte, gesellten sich weitere hinzu. Nicht jeder bringt kauernd im Gebet ein Schiff glücklich an Land und hält mit kurzem Spruch "von Christi gesandt" Hunde in Zaum.

So ist Walburga nun die Patronin der Seeleute und Haustiere und sie wird angerufen gegen Sturm und Tollwut.

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Seeleute und Sauerkraut
Sauerkraut und Pasteur
Pasteur und die Tollwutimpfung

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Der Franzose Louis Pasteur, der sich zunächst vorrangig mit Gärungsprozessen, wie z.B. für die Herstellung von Sauerkraut, beschäftigte, schaffte den Durchbruch für eine Tollwutimpfung. Diese Impfung ist kein Spaß; ich bekam sie auch – dreimal in den Bauch. Aber Tollwut war immer tödlich!

Mein Statement ist durchaus: Pro Forschung und Errungenschaften der traditionellen Medizin! Sie ist geradezu das Hexenwerk und sollte äußerst vorsichtig gehandhabt werden – es sollte klar sein, dass jeder Eingriff ein Eingriff ist und dass es eben nicht für alles eine Pille gibt. Die wahrhaftige Paarung von Wissen und Weisheit ist hier gefragt.

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Wer hat den Film "Robin Hood – König der Diebe" mit Kevin Costner und Morgan Freeman gesehen? Wenn der Maure nicht den Kaiserschnitt angesetzt hätte, wäre der neue Erdenwurm mitsamt der Mutter drauf gegangen. Woher wusste er`s? Von den Kühen. Wenn aber heutzutage Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht werden, um damit das Geburtshoroskop passend zu machen, braucht es keine weiteren Fragen, Euer Ehren.

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Als Maria Treben 1980 ihr Vorwort ins weithin bekannte Buch schrieb, zeugte schon der erste Satz von den Wimpernschlägen der Zeit. Sie schrieb von zahlreichen Angriffen gegen ihre Person von verschiedenen Seiten. Und wahrlich, ihre Berichte lesen sich zuweilen wie Fake-News, und doch weiß jede Frau, dass die Schafgarbe ihre Bauchschmerzen mehr als nur lindert.

Und Hildegard von Bingen: Die wusste nicht nur von den Steinen, so wie Tasurinchi einst, sie wusste auch vom grünen Jaspis. Und diesen Jaspis haben die Frauen Chinas einst mit ihren nackten Füßen in den Flussbetten watend ertastet. Hildegard von Bingen wusste auch von der Aloe Vera und all das steht in ihrer Enzyklopädie "Physica".

Diese Frauen brachten Wissen und Weisheit in die Welt.
– W W W –

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Und weil ich über die Aloe im Rezept des Schwedenbitters von Maria Treben staune, reisen meine Gedanken durch das Wesen dieser Pflanze. Man nennt sie auch: Lilie der Wüste und Jesus nahm sie zum Gleichnis auf das stetige, einfache Leben selbst:

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"Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen"..

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Schon die Sumerer (2200 v. Chr.) kannten sie und Alexander der Große (456-325 v. Chr.) war clever genug, sie zu kultivieren und auf seinen Feldzügen mitzunehmen, was Napoleon ihm nachmachte. Und Hildegard von Bingen mischte den Saft der Pflanze mit Kalk. Während einerseits also von der Heilkraft der Aloe Gebrauch gemacht wurde, nutzen die Ägypter sie zunehmend für die Kosmetik und die Einbalsamierung und die Samurai Japans nutzen den Balsam ebenfalls exzessiv, um somit stark und unverletzlich zu werden. Das klingt für mich, wie die Siegfried Saga und vor allem nach: Zu viel des Guten. Es ist das Zu viel, das zu Monokultur und Ausbeutung führt. Es ist das zu viel an Milch und Honig, dass die Götter für sich beanspruchten.

Maria Treben jedoch weiß für den Anteil der Aloe im Rezept des Schwedenbitters auch Optionen, nämlich Enzianwurzel oder Wermutpulver – na bitte, da geht doch was.

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Und was ist nun mit der Walpurgisnacht?
Naja, mit der Äbtissin Walburga hat das alles wenig zu tun. Selbst wenn sogar ihre Gebeine noch Wunder vollbrachten und ihre Heiligsprechung an einem 1. Mai war, reicht das nicht aus, die Bräuche dieser Mainacht zu erklären.

Im Grunde scheint es ganz einfach.
In allen Kulturen gab es Fruchtbarkeitsfeste und passenderweise fanden solche Feste zu einer Zeit statt, da die Natur sich regt und belebt. Ob man nun wissenschaftlich oder mythisch an die Sache heran geht! Dass das Leben in seiner gesunden Vielfalt nur durch den Austausch und die Entwicklung "benachbarter Tümpel" stattfindet, weiß man sehr wohl. Ein Super Experiment dazu ist in einem Video zu sehen, das da heißt "Leben aus dem All" und für mich löste sich damit ganz nebenbei der griechische Ur-Mythos von Gaia und Kronos auf.

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Nun, für die Maifeste spielt die Fruchtbarkeit eine zentrale Rolle und als Sinnbild dient die Birke. Um die Hexen geht es m.E. nachgeordnet, wobei man gern schon den Zusammenhang zur Birke herstellen darf, denn Hexen reisen in unseren Breiten ja mit einem Reisigbesen und die wurden unter anderem aus Birken hergestellt. Eine Simbabwische Hexe hingegen reitet auf einem Weidenkorb und überhaupt gibt es noch so allerlei Gefährt und Getier und individuelle Bräuche.

Hierzulande wird eine Strohhexe gebastelt und verbrannt, und Kräuter auch. Außerdem wird für gewöhnlich eine Menge Liebe gemacht auf Feldern und Wiesen und, ähm, ja, das wird derzeit wohl eher ein Versteckspiel und die Hexe muss bis 21 Uhr fertig sein.

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Die Flamme reinigt sich vom Rauch
so reinig’ unsern Glauben!
Und raubt man uns den alten Brauch,
dein Licht, wer kann es rauben?

Goethe

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Wir haben noch gar nicht über männliche Hexen gesprochen, und wie so ein Hexenmeister aussah, das hat ein Herr Wilibald von Schulenburg gezeichnet: Der "Hexenmeister – Oberspreewald 1877" – Hexer.
Aber es gab da einen feinen Unterschied: Der Hexer, der war sozusagen das Gegenstück zur Hexe. Zum Teil wurden sie aber auch als Zauberer oder Zaubermeister, Drudner, Trudner, Hexerich oder schlichtweg eben als Malefikant bezeichnet.

Hexenmeister konnte man unter anderem auch genannt werden, wenn man ein Hexenfinder war. Die vielen Wörte für männliche Hexe rühren daher, dass ein Hexenmeister, so wie bei Goethes Zauberlehrling, eine männliche Hexe oder ein Zauberer als Meister seiner Kunst darstellt, während ein Hexer eine normale Person ist, die Hexenkräfte oder -fähigkeiten verwendet.

Zu Beginn der Hexenverfolgung, 1400, da war der Anteil der Männer nicht unerheblich, sogar sehr hoch. Schließlich hatte sich diese Hexenverfolgung ja auch aus den Ketzerprozessen entwickelt und die wurden zunächst von der kirchlichen Inquisition geführt, dann aber wurde Hexerei ein gewöhnlicher Straftatbestand und das weltliche Gericht übernahm größtenteils. Der Anteil der Männer nahm jetzt rasch ab, aber der der Frauen, rapide zu.
In Frankreich lag der Anteil der Männer doch sichtbar höher, da wurde sogar das Drudenhaus für die Inhaftierung gebaut.

Übrigens hat Jacob Grimm sich auch einmal den Wortstamm Hexe genauer angeschaut und folgendes aufs Tapet gelegt: Im Englischen heißt Hexe ja "witch" und das lässt sich wohl oder übel auf "heilig" herunterbrechen - "wih". Wahrsagen - wiccian, wiglian, wigelen, wichelen .. wichteln. Interessant ist auch Isländisch: "vitki" – heißt Hexer, von Vita – wissen, und wir alle wissen, dass VITA der Lebenslauf ist.

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So, und nun verlinke ich Ihnen Märchen, wie: "Fricha und die beiden kleinen Mädchen", "Ala und die alte Hexe" oder "Die Froschprinzessin" mit der Baba Jaga und "Thomas der Reimer" mit der Feenkönign und "Biddi Earlies Flugzauber" gehört auch zu den Hexenmärchen.

Weiterführende Gedanken sind durchaus bei "Kaboi, der Ahnherr der Karaja" zu finden oder "Für Großmama" - Gott spricht in Gedanken für Großmama; das ist eine Lesung von Valzhina Mort.

Und für weitere tiefgreifende Gedanken möchte ich ans Herz legen die Geschichten um Tasurinchi aus "Der Geschichtenerzähler" von Vargas Llosa.

Oder den Alice-Rundgang, denn in dem Audio Guide finden sich die Spuren der Jadefrau und des weißen Pferdes.

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Ja, das soll’s dann jetzt auch gewesen sein. Podcasts und Videos und Audios sind vorerst genug gemacht. Schalten Sie den Rechner ab, gehen Sie spazieren. Die Podcasts können Sie ja per Ohrstöpsel mitnehmen. Die Videos kann man sich ja nach und nach anschauen. Es sind genug gemacht als Teil der Brücke hinüber in die Wirklichkeit.

Die Märchen sind hoch und biegsam, dem Bambus gleich, tief und bohrend, der Pappel gleich und ehrwürdig und stabil, gleich der Kastanie.

.. machen Sie’s gut – bis zum nächsten mal ..

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Hinweise und Quellen

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Hexenmärchen auf KJUI.de

AUDIO Fricha und die beiden Mädchen

VIDEO Ala und die alte Hexe

AUDIO Die Froschprinzessin

VIDEO Thomas der Reimer

AUDIO Biddy Earlys Flugzauber

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Quelle Welt/Kultur - "Als Hexen mit dem Teufel wilde Orgien feierten"
Bernauer Hexe und Schweigeminute im Abgeordnetenhaus


Quelle YouTube - "Leben aus dem All"
Experiment zu den benachbarten Tümpeln


Quelle Wikipedia - Jacob Grimm -
Abhandlung zu "witch"


Quelle Zeno.org - Wilibald von Schulenburg -
Hexengeschichten

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Weiterführendes und Tiefgreifendes

AUDIO Für Großmama

AUDIO KABOI, Ahnherr der Karaja

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Die Geschichten um Tasurinchi aus "Der Geschichtenerzähler" von Vargas Llosa

AUDIO Tasurichni 1

AUDIO Tasurichni 2

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Der Alice Rundgang: Gleich im AUDIO-GUIDE 1 erfährt man u.a. dies:

Lange bevor Jaspis, also Jade, in Mienen abgebaut wurde, wateten die Frauen im alten China mit nackten Füßen in den Flussbetten, um die Jadesteine zu erfühlen.
Er ist die Essenz aus Himmel und Erde, sagt man in China.
Er ist die Mutter aller Edelsteine, sagt die Bibel.


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Herzliche Grüße!
Anke Ilona Nikoleit


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