KJUI Podcast - Schlüssel, Schloss und Wollsocken

Schlüssel, Schloss und Wollsocken

Audio kompakt


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Kürzlich wurde ich gefragt, ein wenig besorgt gefragt sogar, wie ich durch diese Zeiten komme.

Audio 1/3

Und ich antwortete: "Naja – ich fühle mich ein bisschen wie ein Trabant, der an der Erde vorbei schwebt - unablässig auf seiner Umlaufbahn – und schaut – aha – was ist da los – was muss ich tun – was kann ich machen – weiter – und immer weiter ..."
Und dann sagte ich noch: "Ich komme zurecht, hier in der Stadt – obwohl! Manchmal wünsche ich mir einfach nur ein paar gute Zwiebeln und richtige Äpfel von da draußen ..." Sie ahnen, die Frage kam von draußen, von "auf dem Lande".

Und ich kam mir vor, wie das Teufelchen aus dem Märchen: "Mich dürstet nach den Früchten der Erde!" Nicht, dass ich etwa, wie das Teufelchen in dem Märchen, genug Gold und Geld hätte, aber die Lust auf die Früchte der Erde, wie sie einst waren, die hab ich wohl.
Kennen Sie das Märchen?
Es war einmal ein verschmitztes Bäuerlein, von dem konnte man viele Streiche erzählen, aber der eine, wo er den Teufel dran gekriegt und zum Narren gehalten hat, ist doch der schönste.

Das Bäuerlein hatte sein Feld bestellt und wollte nun nach Hause gehen, es war Abend. Da erblickte das Bäuerlein mitten auf seinem Acker, in der Ferne einen blinkenden Haufen und voll Verwunderung ging er hin. Je näher er kam, desto mehr erkannte er, dass da oben auf dem Haufen eine kleiner schwarzer Teufel saß. Und der Haufen, das war ein Schatz, so einen hab ich noch nie gesehen – alles glänzte und glitzerte in den letzten Strahlen der Abendsonne. Der Bauer überlegte blitzschnell: "Der Schatz liegt auf meinem Feld und gehört mir."
"Mhh ... er ist dein", antwortete der Teufel, "wenn du mir zwei Jahre lang die Hälfte von dem gibst, was dein Acker hervorbringt. Geld habe ich genug, aber ich trage Verlangen nach den Früchten der Erde."

Und wieder überlegte das Bäuerlein blitzschnell: "Gut, ich gehe auf den Handel ein! Damit aber kein Streit bei der Teilung entsteht, will ich mich mit dem begnügen, was unter der Erde wächst und du sollst erhalten, was über der Erde wächst." Dem Teufel gefiel das wohl, aber er wusste ja nicht, dass das listige Bäuerlein Rüben gesät hatte. Als nun die Zeit der Ernte kam, da grub das Bäuerlein ganz vergnügt seine Rüben aus und schichtete sie auf einen großen Haufen und lud sie auf seinen Wagen. Als der Teufel erschien und seinen Anteil holen wollte, fand er nichts, als die gelben, welken Blätter.
"Einmal hast du den Vorteil gehabt", sprach der Teufel, "aber für das nächste Mal soll das nicht gelten, nein! Da werde ich mich begnügen mit dem, was unter der Erde wächst und du sollst bekommen, was darüber ist."

"Mir auch recht", antwortete das Bäuerlein; von Landwirtschaft verstand der Teufel nichts. Das Bäuerlein säte Korn und als die Zeit der Ernte kam, schnitt er die vollen Halme bis zur Erde ab und stellte die Garben auf. Als der Teufel kam und nichts als die Stoppeln und Wurzeln fand, stampfte er wütend auf und fuhr mit Schwefelgeruch und Donnergroll die Erdspalte hinab.
"So muss man Füchse prellen", sprach das Bäuerlein, ging hin und holte sich den Schatz und hatte die Ernte von zwei Jahren ganz.

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Tja, Füchse, die schlauen Füchse, sollte man meinen. Die Katze dachte das auch, als sie auf dem Spaziergang durch den Wald auf den Herrn Fuchs traf.
Sie sah ihn und dachte sich: "Ach, ich frag' ihn doch einmal, wie er durch diese Zeiten kommt. Er ist so gescheit und wohl erfahren, er gilt viel in der Welt, man kann ja von ihm lernen!"

Und sie sprach ihn an: "Guten Tag Herr Fuchs, wie geht’s, wie steht’s. Wie kommen Sie zurecht in diesen Zeiten?"

Der Fuchs, voll des Hochmuts, betrachtete die Katze von oben herab, von Kopf bis zu den Füßen und sagte dann:
"Du armseliges Tier, du Bartputzer, du Mäusejäger! Du fragst mich, wie ich in diesen Zeiten zurechtkomme? Ich habe weit über 100 Künste erlernt und habe dazu noch einen Sack voll der List! Aber du, was hast du gelernt? Welche Kunst verstehst denn du?"

"Ich – ähm, ich verstehe mich nur auf eine Kunst", sagte bescheidentlich die Katze. "Wenn die Hunde kommen, kann ich blitzschnell auf einen Baum springen und mich vor ihnen retten."
"Ist das alles? Du dauerst mich! Komm mit mir und ich lehre dich, wie man vor den Hunden davonkommt!"

Unterdessen kam ein Wagen angefahren – vielmehr jagte ein Wagen daher auf diesem Waldweg. Vor den Wagen gespannt waren Hunde und nebenher liefen Hunde und auf dem Wagen saßen allerlei Kreaturen. Die Katze sprang behände auf einen Baum kletterte auf einen dicken Ast und verbarg sich dort und ...
... der Fuchs aber ... er versuchte, auf den Baum zu kommen, er versuchte es ja, aber ...
Da rief die Katze von oben herab: "Herr Fuchs, so bindet doch den Sack auf, bindet den Sack auf!" Aber da hatten die nebenher laufenden Hunde ihn schon gepackt.

Als der Spuk vorüber war, sagte die Katze ganz zu sich selbst: "Ei, Herr Fuchs. Da habt ihr nun weit über 100 Künste gelernt und holt nicht einmal eine List aus dem Sack dazu. Hättet ihr heraufspringen können, wie ich, so wäre es jetzt nicht um euer Leben geschehen."

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Dieser Prahlhans, der Fuchs – und dazu die Geschichten von diesem wilden Tross – die vlugende Frowe oder Fru Gode mit ihren Hunden, die umherzieht und durchaus so manchem Bauern einen ordentlichen Schrecken einjagen konnte, aber auch Geschenke verteilte. In der Gegend zwischen Wittstock und Mirow wird erzählt, dass einmal Fru Gode über einen Bauernhof hinwegzog. Und als der Spuk vorüber war und der Bauer vor die Türe trat, lag da ein kleiner Hund, ein Welpe. Er nahm ihn mit in die Stube und seine Frau und er zogen ihn auf. Andern Jahres aber, gerade um dieselbe Zeit, da war der Hund plötzlich fort. An seiner Lagerstätte aber, da lag ein großer Klumpen Gold. Das muss dem Bauern doch wohl von der Fru Gode zugedacht worden sein, denn er war bisher arm und wurde nun sehr reich.

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Und wissen Sie was:
Jetzt erzähle ich Ihnen eine schöne lange Geschichte.

Audio 2/3


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An einem verschneiten Wintertag ging eine Witwe hinaus aus dem Haus. Wie jeden Morgen ging sie ins nächste Dorf, um dort zu arbeiten und Essen für sich und die Kinder zu besorgen. Der Älteste, knapp 16 Jahr, musste auf die Geschwister aufpassen und er musste den Ofen so gut wie möglich warmhalten - dabei aber sparsam mit dem Holz umgehen. Er kochte daheim den Tee mit den Wiesenkräutern des Sommers, er teilte das Brot auf und erzählte Geschichten, Geschichten, die er noch vom Vater gehört hatte, und der hatte sie von seinen Eltern und die hatten sie von ihren Eltern.

An diesem Morgen ging die Witwe mit dem Korb auf dem Rücken hinaus, denn das Holz war knapp und sie musste auf dem Rückweg vom Dorf nach Hause im Wald Holz und Reisig suchen. Sie fand auch einiges und trug schwer den Rückenkorb. Plötzlich hörte sie ein leises Wimmern und da sah sie dort im Gebüsch, neben dem Baumstumpf ein dünnes, kleines Kätzchen, das vor Kälte zitterte. "Ach du armes kleines Ding", sagte die Frau. "Ich bin zwar arm, aber ein so kleines, hungriges Tier lasse ich doch nicht allein hier im Wald zurück." Und sie nahm das Kätzchen auf, steckte es in ihre Schürzentasche und ging nach Hause.
Zu Hause kamen ihr die Kinder entgegengelaufen und riefen: "Mutter, Mutter, was hast du uns zu Essen mitgebracht?" Die Mutter strich den Kindern übers Haar und dem Sohn über die Wange und sagte: "Habe kein Zuckerbrot, habe kein Hasenbrot – habe nur allezeit Plackerei und Not und ich habe sogar noch eine Hungernde mitgebracht."
Als sie das Kätzchen aus der Schürzentasche holte, wollten alle Kinder mit dem Kätzchen spielen, es liebhaben, es streicheln. Sie teilten die wenigen Bissen, die sie hatten und päppelten das kleine Wesen auf und bald sprang es schon munter durch die Stube und spielte mit den Kindern.

Eines Morgens jedoch war das Kätzchen fort und die Kinder suchten es überall und konnten es nirgendwo finden und hatten sich doch schon so sehr an das Kätzchen gewöhnt. Die Mutter versprach, auf dem Rückweg im Wald nach ihm zu suchen und als sie an die Stelle kam, wo sie einst das Kätzchen fand, stand da eine groß gewachsene, ganz in weiß gekleidete Frau und winkte ihr, näher zu kommen. Dann warf die Erscheinung der Witwe einen weißen Wolleball zu und sagte: "Das ist für die Katze!" Die Witwe fing den Knäuel auf und als sie wieder hochschaute, war die Frau nicht mehr da, so als wäre niemand da gewesen, nicht eine einzige Fußspur war zu sehen.
Sie steckte den Wollknäuel in die Schürzentasche und zu Hause legte sie ihn auf den Tisch. Am nächsten Morgen steckten darin zwei Stricknadeln und daneben lag ein Paar herrlich warmer, weißer Strümpfe. Sie begann nun selbst ein Paar Strümpfe zu stricken und wenn sie am Tag ein Paar Strümpfe gestrickt hatte, strickten unsichtbare Hände in der Nacht ein weiteres Paar und der Knäuel wurde nie alle!

Bald hatten alle Kinder warme, weiche Strümpfe und auch die Mutter selbst! Und sie begann, Strümpfe im Dorf zu verkaufen und brachte dafür warme Kleidung und gutes Essen mit nach Haus. Die Kinder wurden kräftiger und sie sahen, wie die Sorgenfalten der Mutter verschwanden und für den nächsten Winter konnten sie sich sogar einen Schlitten kaufen, so wurde das Holz holen leichter. Und von nun an holte der Älteste das Holz. Außerdem machten sie hin und wieder sogar eine Schlittenfahrt und die weißen Laken der Frau Holle – der Schnee auf den Feldern – machten nun sogar Spaß.

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Als der Älteste wieder einmal mit dem Schlitten hinauszog, um Holz zu holen, fand er im Schnee einen Schlüssel, einen Schlüssel, der golden in der Sonne glänzte. Er dachte sich, wo es einen Schlüssel gibt, da gibt es auch ein Schloss! Also scharrte er den Schnee beiseite, grub immer tiefer, bis er an den gefrorenen Boden gelangte und da fand er ein Kästchen. Er nahm das Kästchen, besah es von allen Seiten und fand schließlich das Schlüsselloch und er versuchte den Schlüssel und der passte glücklich.
Nun öffnete er das Kästchen und drinnen lag eine Spindel - und dann sah er unten an der Spitze einen Blutstropfen.

Er legte die Spindel zurück in das Kästchen und schloss den Deckel. Und in dem Augenblick, da er den Deckel schloss, baute sich vor seinen Augen, mitten im Wald ein großes Tor auf, ein Tor, wie zu einem Speicher, wie zu einer Scheune. Und die Türen öffneten sich und zeigten eine grüne, blühende Landschaft. Die Sonne schien warm auf der anderen Seite und dahinten, ganz weit dahinten, da sah er ein Schloss. Es war unverkennbar ein Schloss, auch wenn er von hier nur die Form sehen konnte, da oben war der Turm und darauf die Wetterfahne, aber alles war wie eingepackt!

Er überlegte, was er tun solle. Nach Hause gehen und Bescheid sagen? Würde dann das Tor noch da sein und offenstehen, wenn er wiederkommt?
Wie oft hatte er seinen Geschwistern dieser Art Geschichten erzählt und plötzlich war er selbst Teil einer solchen! Entschlossen band er den Schlitten an einem Baum fest, Holz war schon drauf, sollte dies ein Zeichen sein, falls er nicht zurückkäme.
Er steckte das Kästchen in die Tasche, ging hin zum Tor, setzte einen Fuß hinüber auf die Wiese, zog den zweiten Fuß aus dem Schnee und ging einen Schritt hinein in die grüne, blühende Welt. Beim nächsten Schritt schloss sich das Tor hinter ihm und er ging geradewegs auf die Anhöhe zu, da hinauf, wo das eingepackte Schloss stand.

Je näher er kam, desto mehr erkannte er, dass es von einer dichten Hecke umgeben war und überall waren Blütenknospen. Und als er die Hecke berührte, öffneten sich all die Knospen, die bis eben noch fest zusammenhielten und wurden zu roten, duftenden Rosen. Und als er beinahe einmal um die Hecke herumgegangen war, öffnete sich eine Pforte und der Blick wurde frei auf den Schlosshof.
Er spähte hinein. Alles war still, alles war ganz still. Kein Blatt bewegte sich, kein Laut war zu hören. Er ging schließlich ganz durch die Pforte und da lagen die scheckigen Hunde, die Jagdhunde, auf dem Hof und schliefen und da standen die Pferde an der Mauer und schliefen, da saßen die Tauben auf dem Dach und hatten die Köpfe unter den Flügeln und schliefen, da stand der Koch vor der dem Küchenjungen mit erhobener Hand und beide schliefen, da saß die Magd vor dem schwarzen Huhn, um es zu rupfen, und sie schlief, ja, das Feuer schlief und die Fliegen an der Wand schliefen.
Der Älteste ging weiter über den Hof, hin zu der Kutsche, die da vor dem Thronsaal stand; der Kutscher schlief, Zügel und Peitsche in der Hand.
Er lugte in den Thronsaal und trat auch einen Schritt hinein. Da saßen der König und die Königin und sie schliefen und der ganze Hofstaat, all die Edelleute und Diener, schliefen auch.
Der Älteste ging wieder hinaus, nirgendwo regte sich auch nur eine Maus.

Er ging weiter und gelangte zu einem alten Turme. Dort stieg er die Wendeltreppe hinauf und als er oben ankam, fand er eine kleine Türe, die machte er auf und da lag auf einem Bett ein schlafendes Mädchen, so wunderschön, dass es ihm den Atem verschlug! Er konnte nicht anders, er musste sie küssen.

Sie schlug die Augen auf, blickte freundlich und sagte: "Mein Prinz, so bist du gekommen und hast mich erlöst!" "Aber ich bin kein Prinz, schau mich an, sieh meine Kleider, meine Schuhe!" "Du bist mein Prinz! Ich weiß es! Ich habe das geträumt! Schau, als ich 15 Jahre alt wurde ging ein Fluch in Erfüllung, den eine böse Fee über mich ausgesprochen hatte. Meine Eltern waren mit der Kutsche unterwegs, ich hatte keine Lust mit Ihnen zu fahren, und so hatte ich Zeit. Ich besah mir alle Kammern und Zimmer unseres Schlosses, bis ich zu dieser Kammer gelangte. Da saß sie da, diese alte Frau und hatte etwas in der Hand, das so lustig auf und nieder tanzte. Ich fragte sie, was sie mache und was das für ein Ding sei. Sie sagte, sie würde spinnen, sie würde Flachs zum Faden spinnen. Meine Eltern hatten immer gesagt, dass ich mich von einer Spindel fernhalten müsse, aber ich wusste doch gar nicht, wie so eine Spindel aussieht! Und ich wollte doch nur einmal dieses lustig tanzende Ding anfassen und anschauen. Da stach ich mich! Ich sah noch, wie der Blutstropfen aus dem Finger quoll, dann schlief ich ein."

Der Älteste war sprachlos. Er hatte die Spindel mit dem Blutstropfen gefunden und so konnte er den Fluch lösen. "Aber wieso war die böse Fee böse auf dich?" "Das sollten wir meine Eltern fragen!" sagte das schöne Mädchen.
Sie fassten sich bei den Händen und gingen gemeinsam die Treppe hinunter und kamen im Hof an. Sie berührten den Kutscher und der schreckte auf und zog die Zügel ruckartig an und schon wachten auch die Pferde auf. Sie gingen hinüber zum Koch und berührten ihn und da sauste seine Hand auch schon als Backpfeife auf den Küchenjungen hernieder und davon wachte die Magd auf, schaute verwundert und rupfte das schwarze Huhn weiter.
Ein Windhauch fegte über den Hof, ergriff die Blätter der Bäume und raschelte mit ihnen und trieb den Sand vor sich her und weckte die schlafenden Hunde, die aufsprangen und sich streckten. Sie liefen zu den Pferden an der Mauer und die Pferde begannen sich zu schütteln und trappelten aufgeregt hin und her und die Täubchen auf dem Dache zogen die Köpfe unter den Flügeln hervor und gurrten und das Feuer flackerte wieder und die Fliegen krabbelten weiter.

Da gingen das schöne Mädchen und der Älteste hinein in den Thronsaal und dort gähnte alles und begann zu blinzeln und auch der König und die Königin wachten eben auf.

Als sie ihre geliebte Tochter Hand in Hand mit dem armselig gekleideten Burschen sahen, riefen sie aus: "Wer ist das! – Was ist geschehen! – Was ist hier los?" Die Prinzessin aber sagte: "Er ist mein Prinz! Er kam, mich zu erlösen und mit mir das ganze Schloss." Und der Älteste musste erzählen, wie sich alles zugetragen hatte und König und Königin mussten erzählen, warum die Fee so böse war.

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Wissen Sie es?
Kinderwunsch, Frosch, Wiegenfest, weise Frauen, 12 Teller.

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"Nun denn!" sagte der König. "Dann soll morgen Hochzeit sein!"

"Bitte!" rief da der Älteste. "Ich muss meine Mutter und meine Geschwister wiedersehen. Sie sind doch in der anderen Welt und wissen noch gar nicht, was geschehen ist."

Man fuhr also mit der Kutsche bis an das große Tor. Er, der zukünftige junge Prinz, nahm den Schlüssel und öffnete. Der Schlitten war fort!

Schnell spannten sie die Pferde aus. Prinz und Prinzessin setzen sich auf die Pferde und ritten zur Hütte seiner Familie. War das eine Freude! Die Mutter musste sich erst einmal setzen und konnte lange Zeit kein Wort sagen. " ... wo warst du? Drei lange Tage waren wir in Sorge und haben dich überall gesucht! Was ist geschehen? Und wer ist dieses liebreizende Mädchen an deiner Seite?"

Schnell erzählte er, die Geschichte. Dann schaute sich das junge Paar an und schnell waren sie einig: "Was meinst du, sollen Mutter und Geschwister bei uns im Schloss wohnen?"
"Aber ja, herzlich gern, wenn sie das auch so möchten!"
Und sie spannten den Schlitten an und fuhren zum Tor zurück. Alle traten ein in die andere, blühende Welt und nun wurde Hochzeit gehalten.

Die Mutter hatte sehr wohl den Wollknäuel eingesteckt und die Stricknadeln mitgenommen. Im Schloss hatte bald jeder warme, weiße Socken und in jedem Jahr, wenn es in der anderen Welt schneite und auf Weihnachten zuging, dann zogen Prinz und Prinzessin, König und Königin, Mutter und Geschwister und der ganze Hofstaat sich warm an, banden etliche Schlitten an etliche Pferde und Hunde und Katzen und Schweine und Rentiere, und fegten durch den Winterwald der anderen Welt und beschenkten arme und fleißige Leute mit warmen, weißen Socken und Nüssen und Lebkuchen und goldenen Äpfeln.

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Audio 3/3

Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt.
Und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird;

und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit.
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

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Hinweise und Quellen

Wikipedia
Rainer Maria Rilke (*4.12.1875 / † 29.12.1926)

Der Bauer und der Teufel
Der Fuchs und die Katze
Der goldene Schlüssel
Dornröschen


aus "Göttin Holle" - GardenStone
Fru Gode zieht mit ihren Hunden umher
Das Kätzchen mit dem Wunderknäuel


aus dem Fundus
Geschenkbüchlein "Der Fuchs und die Katze"


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Herzliche Grüße!
Anke Ilona Nikoleit


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