Weihnachtshaus 2022

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Advents-Winter-Weihnachtshimmel 2022

Das Jahr 2022 ging noch schneller herum, als das Jahr zuvor und davor und sowieso. Was sich im Stillstand 2020 in Audio- und Video Material ergoss, ist in 2022 eine Zusammenfassung in der Eile der Zeit, die ihre Gedankenschürfwunden zeigt und Goldkrumen birgt. Auf dem bereits wieder Oldscool-Medium facebook gepostet, nützen diese Beiträge nicht einmal mehr meiner enzyklopädisch gestalteten Homepage. Doch zumindest das möchte ich in die Bilanz einbringen: Hier also die Advents-, Nikolaus- und Weihnachtsbotschaften aus 2022.


Habt einen schönen ersten Advent!

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Ein Märchen dazu?
Wie wär`s mit Hans im Glück?
Hier wortgetreu nach Jacob & Wilhelm Grimm Hans im Glück und hier eine Erzählversion


Habt einen schönen zweiten Advent!

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Ein Märchen dazu?
Wie wär's mit Diedes Tochter?
Und es entpuppt sich Frau Holle Diedes Tochter

Die Frau Holle ist allen wohl bekannt als die, die die Betten ausschüttelt und damit den Schnee zur richtigen Zeit auf die Erde hernieder fallen lässt.
Mittlerweile ist auch bekannt, dass sie zu den Gestalten in der Märchen- und Mythenwelt gehört, die in die Kategorie "Erd- oder Muttergöttin" einzuordnen ist. Und so wie die Nixen ihre Nymphen haben, so hat die Holle wohl auch ihre Hollen.

Eine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte einer der Hollefrauen, die von den Menschen gesehen wurden, ist Diedes Tochter.
Insgesamt ist die Holle wohl eine Verschmelzung von Hexe und Göttin, von garstig und gütig. Ähnliches und Gleiches findet sich vielfach, so z.B. Islands Mutter Gryla, Russlands BabaJaga, Englands Grey Mary, Italiens Hexe La Befana

P.S.
Die Männer kommen in der Geschichte von Diedes Tochter ziemlich schlecht davon. Da jedoch nichts nur eine Seite hat und nicht alles über einen Kamm zu scheren ist, mag ich einen Gegenpol ansetzen.

Justin Biber - Love Yourself (Purpose: The Movement) YouTube


Habt einen gnädigen Nikolaus!

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Nikolaus .. 6. Dezember .. Woher kommts?
Überlieferungen vom Nikolaus

Eine Herkunftsgeschichte ist die vom heiligen Nikolaus von Myra.
Nikolaus war mit 19 Jahren schon ein Priester. Er kam aus reichem Hause und begann schon früh Geld und Gold an Arme zu verteilen. So bewahrte er mehrere junge Frauen vor dem Unverheiratet sein, indem er für die Mitgift sorgte. Nikolaus steckte Geld und Gold heimlich in die Strümpfe, die die jungen Frauen in ihren Zimmern zumeist hinter dem Fenster aufgehängt hatten. Mit dieser Mitgift waren sie dem nahenden Schicksal der Prostitution, dem die Unverheirateten zu jener Zeit geradezu unweigerlich anheimfielen, nicht mehr länger ausgesetzt. Nun könnte doch der heilige Nikolaus der Schutzpatron der "Mädchen" sein. Ist er aber nicht! Das ist die heilige Barbara.

Nun, Nikolaus wurde in fast allen Situationen um Schutz gebeten. Sein Ruhm zog über die Lande - vom Mittelmeerraum über Griechenland nach den slawischen Ländern hin. In Russland ist er nach Maria der am meisten geehrte Heilige.
Eine der wichtigsten Legenden über ihn ist diese hier: Nikolaus erbat in der Zeit einer großen Hungersnot in Myra, wo er sein Amt als Priester und Abt ausübte, von jedem der für den Kaiser in Rom ankommenden Schiffe 100 Scheffel Getreide. Die Getreidehändler hatten Angst, denn wenn das Getreide gewogen wird, würde man merken, dass etwas fehlte und die Strafen in Rom waren mächtig, aber Nikolaus versicherte, dass durch sein Gebet bei der Ablieferung nichts fehlen wird und tatsächlich stimmte die Wägung bei allen Getreidehändlern. Nikolaus konnte seine Gemeinde somit bewahren und darüber hinaus war noch Saatgut für die kommenden Jahre da.
Nikolaus soll ein temperamentvoller Streiter gewesen sein, der es jedoch zugleich verstand, diplomatisch zu vermitteln, um Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Bei einem Aufstand von stationierten germanischen Söldnern begegnete er in Myra hohen Würdenträgern aus Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, bei denen er nachhaltigen Eindruck hinterließ.

Jedenfalls wird in all diesen anekdotischen Überlieferungen herausgestellt, dass er enorm menschenfreundlich und hilfsbereit war. Um das Ganze aber noch ein wenig zu verwirren:
Dem lieben Nikolaus wurden ab dem 17. Jh. auch die ruppigeren Gestalten zugesellt: Knecht Ruprecht, Schmutzli, Krampus usw.
Und ein christlicher Brauch zum 6. Dezember ist es, das Gleichnis aus dem Matthäusevangelium 25, Vers 14-30 vorzulesen. In dieser Geschichte geht es um die anvertrauten Talente.
Ich finde ja, dass in dieser Geschichte der Bewahrer des Geldes nicht die Verbannung verdient hatte. Allein die Tatsache, dass die „Bank“ dazwischen gesteckt wird als „Zinsbringer“ sollte zu denken geben. Möglicherweise hätte dieser Taler, der Schatz einfach nur sehr viel länger in der Erde bleiben sollen.


Habt einen schönen dritten Advent!

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Ein Märchen dazu?
Wie wär's mit Knecht Ruprecht?
Auf der Suche nach der himmlischen Frau Knecht Ruprecht

Knecht Ruprecht ist einer der Gegenspieler des sanften Nikolauses am Weihnachtshimmel der Welt.
Dass er ein Knecht des Wilden Jägers war und dass der wiederum die himmlische Frau suchte, war Anlass und Ergebnis der Wandlung vom graubärtigen großen Gesell zum Kinderstar, sofern sie ihm schöne Weihnachtslieder vorsingen.

Der Wilde Jäger suchte – wie alle anderen auch - die, die das Licht zurückbringen sollte, die, die den Kreislauf erneut in Gang brachte.
In gewisser Weise würde zu ihm die Hexe Befana passen, die es verpasst hatte, die heiligen drei Könige zu bewirten und seither ruhelos umherstreift und es wieder gut machen will und Armen und Kindern etwas auf die Fensterbretter legt. Aber dazwischen liegen Jahrhunderte.
Der Wilde Jäger hat doch eher die Huldr oder Holle oder aber die Liebesgöttin Freya, die Tochter des Meeresgottes Njörd und der Jagdgöttin Skadi gesucht. Denn andere Geschichten weisen sie als diejenige aus, die das wilde Heer durch die Rauhnächte treibt und damit die Zeit zwischen den Zeiten auskostet.

Sehr schön finde ich hier die Gleichsetzung der himmlischen Frauen – die Erwartung der himmlischen Frau erzeugt diesen warmen Glanz und bringt Herzen zum schmelzen, so dass Ruhe einkehren kann nach der wilden Jagd und das neue wieder Kraft hat, zu gedeihen.

Und so geht es für alle Bräuche am Jahresende um diesen Stillstand in der Kehre, der zwischen natürlichem Tod und weiterem Verlauf herrscht.


Habt einen schönen vierten Advent!

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Ein Märchen dazu?
Wie wär's mit Dornröschen,
nur anders erzählt? Der Schlüssel

So gibt es also die biblische Weihnachtsgeschichte, die von Charles Dickens und diese hier – und natürlich viele andere Geschichten passend zur Weihnachtszeit. Was ist eigentlich eine Geschichte in diesem Sinne? Ich würde sagen, eine Geschichte ist zunächst eine Erzählung jeglicher Art: „Komm, ich erzähle dir eine Geschichte!“ sagt nicht aus, ob diese wahr oder erfunden ist und aus welchen Quellen sie gespeist wurde. Insofern ist „die Geschichte“ als „Erzählung“ wohl ein Sammelbegriff. Nun, meine Weihnachtsgeschichte enthält das Märchen „Der goldene Schlüssel“ aus der Sammlung von Jacob und Wilhelm Grimm, die Sage „Das Kätzchen mit dem Wunderknäuel“ aus den Hollegeschichten und natürlich das Dornröschen. Zudem nimmt es die Sagen um das wilde Heer auf und verknüpft den Wolle-Wunderknäuel mit den Socken als Weihnachtsgeschenk. In der Schmunzelecke landet meine Schlussfolgerung: Woran wurden lange Zeit deutsche Touristen erkannt? An weißen Socken in Sandalen. Tja, wer weiße Socken hatte, hat damit vielleicht anzeigen wollen, dass er auch ein Geschenk von der Holl bekam und also zu den „Guten“ gehört. Nun, sobald es diese Strümpfe zu kaufen gab, wurden Schein und Sein unweigerlich vermengt. Stellt sich die Frage: Wer gab der Witwe verdienten Lohn für die Strümpfe und mit welcher Emotion, als sie diese im Dorf verkaufte? Denn die Güte entspringt schließlich einer der vier, fünf, sechs, sieben, acht oder 27 Emotionen und ist doch reine Herzenssache.


Weihnachten und Jahresausklang!

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Die Weihnachtsgeschäfte im Himmel und auf Erden halten die Welt von heute alles in allem vom Heiligen Abend bis zum Großneujahr auf Trab.

Wer sich in den Bräuchen auf Erden umschaut, erkennt sehr bald, dass das Jahresabschluss-Geschehen schon früh im Dezember beginnt und dass es im Grunde einer Würdigung des Kreislaufs der Natur gleichkommt.
Ob nun die Isländischen Weihnachtsgesellen ab dem 12. aus den Bergen kommen und Schabernack treiben, oder die heilige Lucia am 13. Dezember nach der vermeintlich kürzesten Nacht das Licht bringt oder der Nikolaus sogar schon am 06. belohnt oder straft, die Weihnachtszeit ist im Grunde für uns alle eine ausgedehnte Neujahrsfeier, eine Bilanz des Jahres, eine wunscherfüllte Übergabe in die nächste Runde.
Selbst die Hexe Befana in Italien und Grey Mary (*) in England erzeugen keinen Schrecken.
Sie sind eingebunden in diesen Abschluss-Reigen.
Was da neu geboren wird, ist das Licht und das darf ruhig als göttlich gelten.
Ob Engel den Hirten erschienen oder der Köhler aus den Bergen herabsteigt, um die Nachricht zu verkünden und Geschenke zu bringen oder ob der Astronaut des Klosters von Visoki mit dem Geschenkebringer in polnischen Landen, dem Sternenmann, in Verbindung steht, sei dahingestellt. Die Geschichte der Menschheit hat viele Gesichter und es lohnt sich, sie in ihrer Essenz anzuschauen.
Ich mag hier erneut auf das Zitat von Chinua Achebe zugreifen und in diesem Sinne bereits an dieser Stelle, mitten im Text, allen eine frohe Weihnacht, einen guten Rutsch, eine besinnliche Zeit und Frieden und Gesundheit wünschen.

Chinua Achebe

Der 06. Januar, Großneujahr oder „Heilige Drei Könige“ und auch „Königinnen“, wobei es hier nicht um Gendersprache, sondern um Mythen geht, ist dann der Tag der vollständigen Übergabe, sozusagen der Sonntag des Jahres, dem der Montag der kommenden Zeit folgt.
Und da zeigt sich eine Patt-Situation in hiesiger Hemisphäre:
Man sagt, dass in der Nacht vom 05. zum 06. das große Himmelstor aufgeht und die Dreifaltigkeit zu sehen sei und wer sie sehen kann, dem gehen drei Wünsche in Erfüllung.
Nun ist in dieser Nacht jedoch auch das wilde Heer zur letzten fulminanten Ausfahrt am Himmel unterwegs. Wer in ihren Tross gerät läuft Gefahr, mal eben mitgenommen zu werden und womöglich sieben Jahre Dienst zu leisten.

Viel angenehmer ist es, wenn die Wunscherfüllung durch z.B. die „lebende Göttin KuanYin“ möglich ist und sie wird durchaus mit der Jungfrau Maria in Gleichnis gesetzt, aus gutem Grund: Sie war, so sagt man, eine Fürstentochter, die das kontemplative Leben bei der armen Bevölkerung dem Glanz bei Hofe vorzog, ihnen Nahrung und Obdach gab und sich vor allem um die Stärkung des Selbstwertes der Menschen kümmerte.

Kwan Yin

Und hier noch eine individuelle Zusammenstellung, die sich aus Bräuchen Guatemalas, der biblischen Geschichte Lukas 2 und einem Wiegenlied zusammensetzt. Ja, ich möchte darauf verweisen, dass wir im Grunde gar nichts wissen und uns vor allem um den aktuellen Verlauf zu kümmern haben.

Weihnachtsbrauch Lukas 2

Und in Bezug auf die Dreifaltigkeit möchte ich das Märchen „Amalia, oder der Vogel, der die Wahrheit spricht“ empfehlen. Dualität und Trinität werden hier gleichsam und ausgeglichen betrachtet. Das Besondere ist, dass Amalia gekrönt wird, ganz im Sinne der Maria, der himmlischen Frau, vielleicht.

Amalia

Zudem enthält es auch die Metapher, die in den Geschichten um den Vogel Phönix eine Rolle spielen und das wiederum führt zum Kreislauf des Lebens, zur Geburt, zur Neugeburt, zum Licht. (Hier: Vogel Phönix aus der Sammlung von Jacob und Wilhelm Grimm - ausschließlich in der ersten Fassung von 1812 - mit Anmerkungen und Physiologus)

Vogel Phönix

Zusatz:
(*) Die Grey Mary, die in England am 06. Januar umherzieht und kniffelige Fragen stellt und denjenigen, der sie nicht beantworten kann beißt und Süßes von ihm einfordert, wird mit "Rhianon", der Pferdegöttin der Waliser assoziiert. Und dazu gibt es einen musikalischen Klassiker.

Rhianon by Fleetwood Mac YouTube

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Hinweise und Quellen

Bücher/Hefte
Internationlaes Nikolaustreffen, Weihnachtsbräuche rund um den Erdball
Collection Büchergilde

Rauhnächte - Märchen, Brauchtum, Aberglaube
Sigrid Früh

Göttin Holle - GardenStone
2. Auflage


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Herzliche Grüße!
Anke Ilona Nikoleit